Haibane Renmei

Haibane Renmei / Episode 12: Glockennüsse / Das Fest zur Jahreswende / Versöhnung

Titel:Glockennüsse
Titel:Das Fest zur Jahreswende
Titel:Versöhnung

Reki und Rakka verlassen Rakkas Zimmer. Reki gähnt herzhaft und räkelt sich.

Rakka:Du siehst blass aus.
Reki:Ich habe ein bisschen wenig geschlafen, aber das ist nicht so schlimm.

Rakka zögert, dann fällt ihr etwas ein:

Rakka:Hier.
Rakka:Das hast du auf dem Tisch liegenlassen.
Reki:Rakka, das schenke ich dir.
Reki:Ich brauche es nicht mehr.

Gegen Ende von Episode 11, als Reki von Nemu Abschied nahm, hatte sie das Rauchen aufgegeben. Nun schenkt sie Rakka ihr Feuerzeug.

Rakka stutzt: Hat nicht damals auch Kuu ihr eine Jacke geschenkt, kurz bevor sie ihr Nest verließ? Rakka drückt das Feuerzeug an ihre Brust... dann läuft sie Reki hinterher.


Im Wohnzimmer deckt Hikari den Tisch, während Nemu darauf wartet, dass der Tee fertig wird.

Reki:Guten Morgen.
Hikari:Guten Morgen.
Hikari:Wie siehst du denn aus?
Hikari:Zieh dich sofort um und wasch dir die Hände!
Reki:Oh Mann, sie wird noch eine richtige Hausmutter.

Also "der Boss" in Old Home (der alle herumkommandiert) - und in gewisser Weise Rekis Nachfolgerin. In dieser Episode wächst Hikari langsam in diese Rolle hinein - Reki ist in ihrem Kokon beschäftigt, und Nemu hält sich sehr zurück, was das Tagesgeschäft angeht.

Hikari:Reki, du lässt dich ganz schön hängen in letzter Zeit.

Und damit hat Hikari völlig recht - denn nur dadurch hat sie diese "Kommandoposition" in Old Home (verbunden mit ihren neuen Zuständigkeiten, etwa das Kochen für die Kleinen und das Zubereiten des Frühstücks für alle) ja erst bekommen. Hikari ist dabei, in das Machtvakuum hinein zu wachsen, das Reki durch "ihren Rückzug aus dem öffentlichen Leben" (in ihr Atelier) hinterlassen hat. Old Home beginnt in gewisser Weise bereits, sich neu zu organisieren - als wäre Reki schon nicht mehr hier. Aber "so seid ihr Haibane nun mal"...

Doch tatsächlich macht Reki Anstalten, Hikaris "Befehl" Folge zu leisten und das Zimmer zu verlassen.

Nemu nimmt den Tee vom Kocher und ruft Reki ihr noch hinterher:

Nemu:Heute findet der Glockennuss-Markt statt.
Nemu:Den hast du doch nicht vergessen?

Denn auch Nemu ist sich nicht sicher, ob Reki im Hosenanzug für einen Besuch in der Stadt angemessen gekleidet wäre.


Und diesen Besuch (mit einer tatsächlich anders gekleideten Reki!) sehen wir gleich als nächstes:

Rakka:Glockennüsse?
Hikari:Die brauchen wir für das Fest zur Jahreswende.
Rakka:Stammen die alle von dem gleichen Baum?
Hikari:Ja.
Hikari:Ich habe gehört, man ändert die Farben, indem man Eisen und Grünspan in den Erdboden mischt.

Hikari deutet auf eine Gruppe von Glockennuss-Pflanzen, die jeweils Früchte einer anderen Farbe tragen.

Kana und Nemu scheinen derweil an einem anderen Stand zu feilschen (!?)...

Hikari:Gute Nüsse haben eine dicke Schale und einen massiven Klang, wenn man sie schüttelt.

Hikari demonstriert dies anhand einer Glockennuss und drückt Rakka diese in die Hand.

Hikari:Das ist eine "Danke schön"-Nuss.
Hikari:Man gibt sie jemandem, dem man danken möchte.
Rakka:Aha.

Rakka schüttelt die Nuss an ihrem Ohr und lauscht dem Klang - ihre Gedanken beginnen, zu schweifen. Und sie merkt nicht, dass sie mal wieder alleine an diesem Stand zurück geblieben ist... Plötzlich steht Reki hinter ihr:

Reki:Amüsierst du dich?
Rakka:Oh...

Rakka, die Träumerin, blickt sich verwirrt um. Reki deutet auf den Stand, zu dem der Rest der Gruppe inzwischen weiter gegangen ist. Rakka lässt ihre Freundin an ihrem angenehmen Erlebnis teilhaben:

Rakka:Das klingt irgendwie beruhigend.
Reki:Stimmt.
Rakka:Man zeigt damit also seine Dankbarkeit?

Das bezieht sich direkt auf die "Danke schön-Nuss", die Hikari erwähnt hat - von den anderen Bedeutungen wird Rakka ja erst in der nächsten Zeile etwas erfahren.

Reki:Die unterschiedlichen Farben bedeuten Verschiedenes: Dankbarkeit, Entschuldigung und so weiter.
Reki:Es ist Brauch, sie am Ende des Jahres denen zu schenken, die uns nahe stehen.
Rakka:Aha...
Midori:Wieso kann du nicht wenigstens einmal dasselbe tun wie die anderen?

In Japan ist es üblich, dass beispielsweise die Mitarbeiter einer Firma auch ihre Freizeit gemeinsam verbringen - der Gruppenzwang ist dort viel stärker ausgeprägt als bei uns. Hyouko fällt gerade ziemlich unangenehm auf, als er sich bei einem gemeinsamen Bummel (offenbar sogar der ganzen Gruppe von Fabrik-Haibane, nicht nur dieser beiden) über den Glockennussmarkt alleine absetzt; die Entrüstung von Midori (die ihrem Freund natürlich nachläuft) ist nachvollziehbar.

Hyouko:Halt die Klappe! Und hör auf, mir nachzulaufen.

Hyouko wendet sich nach rechts - Midori wird von der Menge geradeaus getrieben und kann ihm nicht sofort folgen. Kurz darauf erblickt Hyouko Reki - und diese ihn. Reki geht sofort auf ihn zu...

Midori:Jetzt sei doch nicht gleich...

... "eingeschnappt", möchte Midori die Situation retten. Sie hat Hyouko wieder eingeholt und hakt sich bei ihm ein. Eigentlich wollte sie einen angenehmen Tag mit ihrem Freund zusammen verbringen...

Midori:Reki!

...doch plötzlich steht da jemand, den Midori dabei nun ganz bestimmt nicht brauchen kann. Midori lässt Hyoukos Arm sofort los - so von Reki gesehen zu werden ist ihr offenbar peinlich.

Reki geht ein paar Schritte auf Hyouko zu - Rakka, die einen weiteren Streit zwischen diesen beiden erwartet, hält den Atem an. Aber Reki spürt, dass sie hier nicht erwünscht ist, und hält inne. Doch Midori erkennt, dass Reki etwas auf dem Herzen hat:

Midori:Was willst du?
Reki:Ach, nichts.

Reki blickt dabei Hyouko an - offensichtlich wollte sie mit diesem reden. Sie ist aber bereit, darauf zu verzichten, falls sie Midori damit in die Quere kommt - Reki hat sicherlich gesehen, wie Midori sich bei Hyouko eingehakt hat. Ganz offensichtlich ist das ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt, mit dem Jungen zu reden.

Midori ist eine solche Rücksichtnahme von Reki anscheinend nicht gewohnt - und wenn sie der Grund dafür ist, dass Reki sich nicht mit Hyouko unterhalten durfte, dann wird ihr weiterer Spaziergang mit Hyouko (der sich ja offenbar von der Gruppe abgesetzt hatte, um die Gelegenheit zu nutzen, Reki zu sehen!) kein großer Erfolg werden. Also - bringen wir's hinter uns:

Midori:Wenn du etwas zu sagen hast, dann mach schon!

So direkt aufgefordert nimmt Reki die Gelegenheit (ihre letzte vor der Jahreswende) wahr - und tut das, was sie tun wollte: Sie entschuldigt sich bei den beiden.

Reki:Es tut mir leid, dass ich euch mit meinen Problemen so viel Ärger bereitet habe.
Reki:Ich war nie eine von euch.

Reki wirft sich selbst vor, sich eingemischt zu haben (und Midori ist derselben Meinung); Hyouko jedoch sieht das anders - er hatte ihr von sich aus helfen wollen. Dabei hat Hyouko ihr längst verziehen (falls er ihr überhaupt jemals etwas vorgeworfen hatte), kann ihr das aber nicht sagen; Midori hat Reki noch nicht verziehen, gerät aber angesichts von Rakkas Einsatzwillen gerade ins Wanken. Und Reki kann sich ihre "Tat" selbst nicht verzeihen - deshalb ist sie im Rad der Sünde gefangen. Selbst ihre Versöhnung mit Midori am Ende dieser Episode reicht nicht aus, um sie aus ihrem Rad der Sünde zu befreien, weil sie dazu ihren Stolz (nämlich als einzige darüber urteilen zu dürfen, ob sie die Erlösung verdient hat) aufgeben und selbst um Hilfe bitten muss (während im Fall von Midori die Hilfe unverlangt von außen kam).

Reki geht auf Hyouko zu und reicht ihm etwas - dieser hält erwartungsvoll seine Hand auf. Als Midori die Farbe "weiß" (= "danke und lebe wohl") erkennt, mit der Reki sich von den beiden verabschiedet, stockt ihr der Atem:

Midori:Reki...?

Auch Hyouko (der in Episode 7 Rakka noch ganz ängstlich gefragt hatte, ob es etwa Reki war, die das Nest verlassen hatte) kann nicht fassen, was er da in seiner Hand hält: Nun soll es also tatsächlich so weit sein! Aber wieso gibt Reki ihm die Nuss schon heute?

Hyouko:Das Fest ist doch erst nächste Woche.

Reki legt vor ihren beiden alten Freunden ihre Karten auf den Tisch:

Reki:Mir bleibt nicht mehr viel Zeit.
Reki:Vielleicht sehen wir einander nicht wieder.

Dieser Satz ist wahnsinnig schwer zu übersetzen: Meint Reki wirklich "nie wieder"? Oder meint sie "nicht mehr bis zum Fest"? (Was auch schon erklären würde, wieso sie schon jetzt und nicht erst dann ihre Glockennuss überreicht.) Aber einmal mehr legt sich die japanische Version in dieser Hinsicht nicht fest...

Reki wendet sich ab und geht davon. Rakka will etwas sagen - doch diesmal lässt Reki auch ihre Freundin einfach stehen.

Hyouko:Hä?

Drei ziemlich ratlose Haibane bleiben zurück.

Weder Hyouko noch Midori scheinen sich mit dem Verlassen des Nests (und den erforderlichen Rahmenbedingungen) gut genug auseinander gesetzt zu haben, um wirklich zu verstehen, was geschehen wird. Aber beiden muss nun klar sein, dass sie womöglich die letzte Gelegenheit verpasst haben, in Freundschaft von Reki zu scheiden - während Reki ihrerseits erkennbar ihren Frieden mit beiden gemacht und alle Schuld für die Ereignisse der Vergangenheit auf sich genommen hat.

Es ist sehr charakteristisch für Reki, dass sie ihre beiden früheren Freunde in dieser Szene nicht (mit einer braunen Glockennuss) um Verzeihung gebeten hat. Erstens würde sie das aus ihrer Position des "unbeugsamen Steins" heraus nie tun, und zweitens würde sie nicht glauben, eine Verzeihung von diesen beiden überhaupt verdient zu haben. Gegen dieses Vorurteil von Reki muss Rakka in dieser Episode mit allen Kräften ankämpfen.


Rakka hat die Bedeutung der Farbe "weiß" dieser Glockennuss nicht verstanden. Aber schon angesichts der Gesichter dieser beiden Haibane spürt sie, dass etwas Wichtiges geschehen sein muss. Rakka hat mit ihren vorherigen Auftritten deutlich machen können, dass man einerseits vernünftig mit ihr reden kann und sie andererseits derzeit Reki am nächsten stehen dürfte; deshalb schafft sie es nun endlich, die beiden Fabrikbewohner zum Reden zu bringen - und zwar genau an dem Ort, wo Midori und Rakka schon vorher miteinander gesprochen hatten: Auf der Brücke.

Hyouko:Genau an dieser Stelle habe ich Reki zum ersten Mal getroffen, vor fünf Jahren. Es regnete wie aus Kübeln.

Diese Brücke ist ein schicksalshafter Ort für die Beziehung dieser Haibane: Hier haben sie einander zum ersten Mal gesehen, hier hat Rakka den Streit beobachtet, hier hat sie sich zum ersten Mal mit Midori unterhalten, und hier wird sie auch die Versöhnung einleiten.

Hyouko:Ihre Flügel waren ganz schwarz.
Hyouko:Sie lief weinend herum, klatschnass vom Regen.
Hyouko:Sie sah aus wie eine streunende Katze.
Hyouko:Ich fühlte, dass ich ihr helfen musste.

Dieses Gefühl muss damals sehr stark gewesen sein - stark genug für Hyouko, um Midori alleine zurück zu lassen.

Midori, die nichts zu akzeptieren bereit ist, was Hyouko zu Rekis Gunsten vorzubringen hat, versucht, die Sache ins Lächerliche zu ziehen:

Midori:Ach, so war das also...

Aber diesmal will Hyouko nichts davon hören:

Hyouko:Halt die Klappe!

Diese Angelegenheit ist viel zu wichtig, um sich darüber lustig zu machen.

Hyouko:Wie auch immer, an diesem Tag wurde Reki eine von uns.

Siehe oben: Reki ist nicht dieser Ansicht.

Midori:Aber kurz darauf ist sie abgehauen. Und dich hat sie mitgenommen.
Hyouko:Damals hat Reki ständig geweint. Sie vermisste ihre Freundin, die die Mauer überquert hatte.

Rakka begreift: Also hat Hyouko ungefähr dasselbe für Reki getan wie später Reki für sie selbst! Sie ahnt nun, wie wichtig Hyouko für Reki gewesen sein muss - sie selbst hat das am eigenen Leibe erlebt.

Hyouko:Deshalb wollte ich etwas für sie tun.
Midori:Und dieser Idiot hat versucht, Haken in die Mauer zu schlagen, um mit Reki hinüber zu klettern.

In einem Rückblick sehen wir, wie Reki im Regen fassungslos den schwer verletzten Hyouko nach dessen Sturz von der Leiter anblickt. Reki sieht das Blut, welches der Regen zu ihr hinunter gespült hat - und Hyoukos Blut klebt buchstäblich an ihren Händen! Dieses Bild wird sie niemals vergessen können.

Reki:Hyouko!
Reki:Hyouko!

Reki kriecht zu dem verletzten Jungen hinüber - in diesem Moment sieht sie wirklich wie eine streunende Katze im Regen aus...

Reki:Hyouko!!
Reki:Hyouko!!

Die Mauer, welche durch den Keil eine hässliche Wunde erhalten hat, stößt diesen Fremdkörper mit Gewalt von sich - und Reki wirft sich schützend über Hyoukos Körper.

Midori:Ich dachte, Hyouko überlebt das nicht.
Midori:Dabei hatte Reki nicht mal einen Kratzer abbekommen.
Midori:Ich habe ihr das niemals verziehen.
Hyouko:Es war nicht Rekis Schuld.
Hyouko:Das war meine eigene Entscheidung.
Midori:Aber Reki denkt immer nur an sich selbst!

Hyouko flüstert den nächsten Satz nur, um Midori nicht in Anwesenheit von Rakka offen zu kritisieren:

Hyouko:Das sagst du, obwohl du ihre beste Freundin warst?
Midori:Ach, sei bloß still...

Rakka hat nun gehört, was geschehen ist. Aber sie weiß noch nicht, was sie mit diesem Wissen anfangen soll - ihr letztes Gespräch mit Washi haben wir noch vor uns.

Rakka:Ich...
Rakka:Ich möchte Reki Kraft geben.
Rakka:Damit sie endlich ihren Segen empfangen kann.
Midori:Es bringt nichts, wenn du dich da einmischst.
Midori:Es ist nicht Rekis Art, andere um Hilfe zu bitten.

Womit Midori auf ihre Weise gar nicht so unrecht hat.

Dennoch platzt Rakka an dieser Stelle der Kragen. Sie weiß am besten, wie es um Reki steht - niemand außer ihr scheint zu begreifen, was hinter Rekis Maske aus Stein tatsächlich vor sich geht. Und Rakka muss sich jetzt gegen Midori durchsetzen, sonst wird sie das Problem nicht in den Griff bekommen:

Rakka:Das ist doch gar nicht wahr!

So sehr wie in dieser Szene ist Rakka noch nie aus sich herausgegangen - ihr Gesicht in den Standbildern spricht Bände. Hyouko und Midori sehen einander verblüfft an: Was ist denn auf einmal in die Kleine gefahren? Die explodiert ja förmlich - so haben die beiden sie noch nie erlebt.

Rakka:Ihr merkt es bloß nicht!
Rakka:Weil Reki lächelt, selbst wenn sie leidet.

Midori wirkt plötzlich ganz schön betroffen - ihre Mundwinkel hängen nach unten. Das hätte sie (immerhin als Rekis frühere beste Freundin!) ja vielleicht auch mal selbst merken können, statt es sich jetzt von einem Neuling ins Gesicht sagen lassen zu müssen. Ganz schön peinlich...

Aber es ist Hyouko (der "gefrorene See"), der zuerst "das Eis bricht":

Hyouko:Dann werde auch ich etwas für sie tun.

Hyouko bewirbt sich nicht als Helfer für Rakkas Team (zum "Kraft geben"), sondern (als Macho, der er ja ist - siehe Episode 13) will die Sache in die eigene Hand nehmen. Er hat in diesem Moment sicherlich bereits sein Raketenabschussprogramm im Kopf; dass dieses alleine nichts genützt hätte (weil Reki nicht zum Fest erscheinen wird, sodass auch Rakka und Midori mithelfen müssen), kann er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

Hyouko:Schließlich schulde ich hierfür noch eine Antwort.

Hyouko hält dabei die Glockennuss hoch.

Midori:Hyouko, du darfst doch nicht in den Südbezirk!
Midori:Hast du das vergessen?
Hyouko:Dann muss ich eben meinen Kopf benutzen...

Hyouko hat sich "in den Kopf gesetzt", dass er hier der armen Reki (wieder einmal) helfen muss - und derartig motiviert kann er über sich hinaus wachsen. Und Midori, die gerade noch so bedröppelt drein geschaut hatte, grinst schon wieder:

Midori:Ausgerechnet du?

Reki hatte die bissige Art von Midori erwähnt - offensichtlich ist Hyouko bisher nicht als Geistesriese in die Geschichte der Verlassenen Fabrik eingegangen (seine Idee mit Reki an der Mauer war beispielsweise kein "durchschlagender" Erfolg...).


Am nächsten Morgen im Gästezimmer von Old Home. Wieder einmal ist es Hikari, die das Frühstück vorbereitet:

Hikari:Guten Morgen.
Rakka:Oh, guten Morgen.
Hikari:Einen Moment noch, ich bin gleich soweit.
Rakka:Kein Problem.

Als nächste kommt Kana ins Zimmer, schleicht sich von hinten an Rakka heran und umarmt diese. Kana tendiert an vielen Stellen zu körperlicher Nähe - und Rakka vertraut Kana genug, um eine so enge Berührung ihrer ansonsten so empfindlichen Flügel zu akzeptieren.

Kana:Ich sterbe vor Hunger!

Kana bildet hier die Antithese zur geduldig wartenden Rakka - sie hält es nicht einmal für nötig, "guten Morgen" zu sagen. Aber die "neue" Hikari lässt ihr so etwas nicht mehr einfach so durchgehen:

Hikari:Kana, vielleicht könntest du mir zur Abwechslung auch mal helfen?

Wie wir sehen, lernt Hikari langsam, sich zu wehren!

Kana:Hmm, wenn du meinst...

Ein Meilenstein in der Geschichte: Kana befolgt zum ersten Mal eine Anweisung von Hikari! Langsam aber sicher wächst Hikari in die Führungsrolle von Old Home hinein - Rekis Zuständigkeiten hat sie ja zum großen Teil bereits übernommen, auch wenn sie noch längst nicht alles souverän beherrscht.

Nemu:Rakka, weißt du, wo Reki steckt?

Rakka schüttelt als Antwort den Kopf.

Hikari und Kana beraten inzwischen die Zubereitung des Frühstücks. Rakka nutzt die Gelegenheit, mit Nemu über ein viel wichtigeres Thema zu reden - die kennt Reki lange genug und könnte einen Rat wissen. Und tatsächlich ist auch Nemu inzwischen bewusst, dass Reki alle Signale auf Abschied geschaltet hat.

Rakka:Was soll ich bloß machen?
Nemu:Tu einfach, was in deinen Kräften steht.

Nemu versucht vor allen Dingen, zu verhindern, dass Rakka Schuldgefühle bekommt, weil sie Reki nicht genug geholfen hat.

Nemu:Darüber hinaus...
Nemu:... müssen wir einfach an Reki glauben.

Wir vermuten, dass Nemu ungefähr sagen will: "Rakka, du kannst nicht mehr tun, als alles versuchen, was dir möglich ist. An der Stelle, wo du (und wir) Reki nicht mehr weiterhelfen können, müssen wir einfach daran glauben, dass Reki schon das Richtige tun wird (um erlöst zu werden)."


Reki sitzt allein in ihrem Zimmer. Gewohnheitsmäßig färbt sie (zum letzten Mal) ihre Flügel. Sie hat mit ihrem Leben in Guri abgeschlossen:

Reki:Bald schon werde ich von allen vergessen worden und aus ihrer Erinnerung verschwunden sein.

Sehnsüchtig (und hilfesuchend) blickt sie hinüber zur Staffelei mit ihrem Gemälde von Kuramori. Sie steht auf und streicht mit ihren Fingern zärtlich über das Gesicht ihrer geliebten Beschützerin:

Reki:Wo bin ich nur vom Weg abgekommen?

Rakka ist inzwischen wieder an ihrem Arbeitsplatz und sammelt kouhaku von den Plaketten an der Wand.

Rakka:Wenn ich Reki doch bloß irgendwie helfen könnte!
Rakka:Kuu!

Genau in diesem Moment sehen wir die drei Hane-Zeichen der Plakette, welche die Buchstaben "K-U-U" bezeichnen.

Das Lachen scheint aus einer bestimmten Plakette an der Wand zu kommen, die besonders stark leuchtet. Rakka spürt Kuus Nähe unmittelbar... sie stellt ihren kouhaku-Behälter auf den Boden und sieht sich die Plakette an...

... und in diesem Moment setzt sich das Puzzle wie von selbst zusammen: Der Name "Kuu" - drei Zeichen an der Wand - "Hände" (Sumikas Tip aus der Bibliothek): Handzeichen! Diejenige Sprache, welche die Tooga für die Kommunikation mit Washi verwenden. (Also muss Washi, dem sie vertraut, etwas darüber wissen - und den wird Rakka sofort danach fragen.)

Jedes der einfachen Hane-Zeichen (es gibt auch andere, aber die versteht Rakka noch nicht) entspricht einem Buchstaben. Diese Zeichen sind linke Hände quer gehalten, der linke Strich ist der Daumen, die vier anderen Finger sind entweder gestreckt oder gebeugt... Rakka probiert Zeichen für Zeichen mit ihrer Hand durch (tatsächlich gibt es einige Fingerkombinationen, die man mit einer Hand alleine nicht anzeigen könnte, diese entsprechen aber im Hane-Alphabet auch keinem Buchstaben), aber sie versteht nur von den ersten dreien die Bedeutung.

Rakka probiert ihre Idee mit ein paar Zeichen dieser Plakette aus (und zwar mit der linken Hand, damit sie ihr Finger-Bild mit den Zeichen auf der Plakette vergleichen kann): 09:07 - eine offene Hand (was keinem Buchstaben entspricht); 09:08 - Daumen und Ringfinger gebeugt (ein "L"); 09:09 - Daumen, Ring- und kleiner Finger (was keinem Buchstaben entspricht); 09:10 - nur der Ringfinger (ein "K"); 09:11 - Daumen und kleiner Finger (ein "U"); 09:12 - dasselbe noch einmal (wieder ein "U")... da sind sie, die beiden aufeinanderfolgenden gleichen Zeichen, die Rakka gesucht hat! Das muss der Name derjenigen Person sein, welche zu dieser Plakette gehört.


Washi malt etwas auf ein Pergament. Überrascht sieht er auf, als Rakka plötzlich vor ihm steht. Und Rakka zeigt (nun mit der rechten Hand, damit Washi die Zeichen so sieht, wie sie auf der Plakette abgebildet sind!) die drei Zeichen an, deren Bedeutung sie verstanden hat: "K-U-U". (Die Armhaltung hat sie bei den Tooga im Brunnen und bei Washi am Stadttor beobachtet.)

Note:Hane-Zeichen: "K-U-U"
Note:Hane-Zeichen: "K-U-U"
Washi:Wo hast du das gelernt?
Washi:Sprich. Ich erlaube es dir.
Rakka:Bei einer Plakette, die kouhaku produziert, habe ich Kuus Gegenwart gefühlt.

Viele Plaketten produzieren kouhaku. Aber die von Kuu leuchtet besonders hell - vielleicht, weil Kuu dies absichtlich bewirkt, vielleicht einfach nur, weil sie noch neu auf der "anderen Seite" ist und sich ihr neues Glück in diesen Flocken manifestiert.

Rakka:Das ist Kuus Plakette, nicht wahr?
Washi:Aber dies entspricht nicht dem Zeichen sora, welches ihr für Kuus Namen verwendet habt.
Washi:Diese Zeichen beschreiben einen anderen Namen mit demselben Klang.
Rakka:Einen anderen Namen?
Washi:Er ist der Beweis dafür, dass diese Haibane ihr wahres Ich gefunden hat.
Washi:Wenn die Zeit reif ist, dann verwandelt sich der Name auf der Plakette an der Wand in den wahren Namen.
Washi:Ach, richtig! Jetzt wäre eine gute Gelegenheit.

Washi hat mit Rakka noch etwas geplant: Sie muss seine Botin zu Reki werden, um dieser ihren wahren Namen und ihren wahren Charakter zu zeigen. Er tut hier womöglich so, als ob ihm das erst in diesem Moment wieder eingefallen wäre - statt dessen kann ich mir gut vorstellen, dass er auf glühenden Kohlen saß, weil er weiß, wie wenig Zeit Reki noch hat. (Tatsächlich hätte er dem Mädchen dieses Kästchen keinen Tag später geben dürfen!)

Washi reicht Rakka ein Kästchen aus Holz:

Washi:Dies hier haben wir nach dem Vorbild der Plakette an der Wand angefertigt.

Das Kästchen enthält eine schwarze Plakette. Sowohl auf dem Kästchen als auch auf der Plakette stehen zwei Kanji-Zeichen; Rakka buchstabiert:

Rakka:"Rakka"...
Washi:Verstehst du, woraus dieser Name abgeleitet ist?
Rakka:Ich habe mich wie eine Nuss in ihrer Schale verschlossen.
Washi:Und du hast hier Wurzeln geschlagen und Beziehungen zu anderen aufgebaut.
Rakkas Name hat aufgrund der Kombination dieser beiden Kanji unüberschaubar viele Bedeutungen, von denen eine ganze Menge in ihrem Falle Sinn machen würden. Das Kanji, welches hier für "Nuss" steht, bedeutet beispielsweise auch "Abschluss/Erfolg" - also Rakkas erfolgreiche Integration in die Gesellschaft von Guri...
Washi:Deshalb ist dies zu deinem wahren Namen geworden.

Washi sagte, er habe diese Plakette nach dem Vorbild an der Wand im Inneren der Mauer angefertigt. Also ist diese Plakette bereits umgeschrieben worden - und Rakka hat demzufolge ihren wahren Namen bereits offiziell erhalten. (Genau deshalb gibt Washi ihr ja das Kästchen - sie hat es sich verdient. Sie ist zwar noch nicht bereit dazu, das Nest zu verlassen, aber sie hat ihren neuen Charakter akzeptiert - letzteres hat Reki genau nicht getan, sie hält ihre Helfer-Rolle ja für eine arglistige Täuschung.)

Rakka:Reki! Was ist mit Reki?
Washi:Reki kennt ihren wahren Namen noch nicht.

Rekis wahrer Name ist "run over" (solange Reki ihre Prüfung nicht bestanden hat). Doch diesen hat Washi ihr nicht gesagt, um ihr eine Chance zu geben, ihren neuen Charakter unbelastet zu entwickeln. Sie hätte ihren bisherigen wahren Namen nie erfahren müssen, um ihren Segen zu erhalten - sie hat die Theologie von Guri völlig missverstanden und sich in ihre Kokon-Malerei verrannt.

Washi:Sie will nicht auf meine Worte hören.
Rakka:Warum?

Rakka kennt zwar seit gestern die Geschichte aus der Perspektive von Hyouko und Midori, aber das reicht hier nicht aus.

Washi:Vor fünf Jahren brachte Reki einen kranken Haibane-Jungen zu uns.
Rakka:Ich habe davon gehört.
Rakka:Er schlug Haken in die Mauer und versuchte, hinüberzuklettern.

Tatsächlich wissen wir nicht, wieviele Haken er tatsächlich benötigt hat, um die Höhe zu erreichen, in der wir den einen Haken gesehen haben. Von den Löchern sehen wir tatsächlich nur eines, und es ist für uns auch plausibel, dass sich die Mauer unverzüglich wehrt - aber Rakka muss dies nicht ebenfalls klar sein.

Washi:Das war ein schweres Vergehen.
Washi:Mir blieb keine andere Wahl, als die Bürgerwehr zu alarmieren.
Washi:Reki nahm diese Sünde auf sich, und sie hat sich selbst im Rad der Sünde eingeschlossen.

Insbesondere verhinderte Reki damit, dass Hyouko die (volle) Schuld zu tragen hatte.

Es ist so, wie Rakka selbst das gleich bestätigen wird: Niemand richtet Reki so hart und unerbittlich wie sie selbst - auch nicht Washi oder die Renmei. Wir vermuten, dass die "Bestrafung" (Reki saß ja im Gefängnis, laut Manga 4) eher eine Art "Schutzhaft" war, um zu verhindern, dass Reki sich selbst etwas antut; aus der Sicht eines rebellischen Teenagers wäre diese "Einzelhaft" allerdings eine "grausame Strafe" (Reki fragte Rakka an der Brücke, ob die Renmei ihr bei der Bestrafung etwas Schlimmes angetan hätte). Auch die gegenseitige "Sperre" für Reki und Hyouko dürfte lediglich eine vorbeugende Maßnahme sein, um weitere Kontakte zwischen den beiden zu erschweren.

Rakka:Reki hat immer sich selbst die Schuld daran gegeben.

Rakka versteht nicht, warum ihre Freundin so leiden muss - und zum ersten Mal wird sie gegenüber Washi etwas lauter:

Rakka:Warum kann ausgerechnet Reki nicht vergeben werden?
Washi:Was glaubst du, warum dir vergeben wurde?

Rakka hat spontan keine Antwort parat - sie überlegt und versucht, erst mal Irrwege auszuschließen:

Rakka:Hm... es ist ja nicht so, dass ich mir selbst vergeben hätte...

Und auf diese Weise kommt sie logisch zwingend auf die richtige Idee: "Also muss jemand anderes mir vergeben haben." Bingo!

Washi:Das stimmt. Niemand kann sich selbst vergeben.
Washi:Du jedoch hattest den Vogel.
Washi:Jemanden, der an dich glaubte und dir zur Seite stand.

Und in diesem Moment löst Rakka das Rätsel:

Rakka:"Wer seine Sünde erkennt, der ist kein Sünder."
Rakka:Wenn du alleine bist, kannst du immer nur im Kreis gehen.
Rakka:Aber wenn du jemanden an deiner Seite hast...

Rakka hört den Klang ihrer Glockennuss für "Dankbarkeit" - und vor ihrem Auge erscheint Reki, die allein und verlassen in ihrem Zimmer sitzt, und die so oft an Rakkas Seite war, wenn diese Hilfe benötigte! Es steht nicht in Rekis Macht, sich einfach selbst zu vergeben - das muss jemand tun, den Reki verletzt hat (so wie Rakka die Person, welche der Vogel darstellte). Und seit heute weiß Rakka, wen Reki verletzt haben könnte und wessen Vergebung sie benötigt: Midori. (Und vielleicht auch Hyouko.) Rakka weiß nun endlich, was sie zu tun hat, um Reki zu helfen.

Kuus leuchtende Plakette hat Rakka im richtigen Moment zu Washi geführt, und dieser hat ihr die richtige Frage gestellt, damit sie ihr Rätsel lösen konnte. Rakka hat auf dem Weg, ihr Nest zu verlassen, einen großen Schritt nach vorne getan.

Doch Washi hat noch etwas für Rakka - etwas, womit diese nicht gerechnet hat:

Washi:Gib das hier Reki nach dem Fest.
Washi:Geh jetzt.

Washi stößt seinen Stock auf den Boden - und wie die aufgeschreckte Krähe aus Episode 2 flattert Rakka davon. Beinahe hätte sie vor Aufregung vergessen, sich formell von Washi zu verabschieden - sie bemerkt das gerade noch und macht eine hastige Verbeugung, bevor sie durch die Nacht nach Hause rennt. Der Himmel sieht düster aus - fast wie in Rakkas Alptraum in Episode 4.

Washi hat Rakka das Kostbarste anvertraut, was er Reki zu geben in der Lage ist: Den Inhalt ihres Traums (nachdem sie verzweifelt sucht) und seine eigene Hoffnung, dass Reki sich ihres neuen Charakters bewusst werden möge. Und Rakka begreift zumindest teilweise, was sie da in ihren Händen hält:

Rakka:Rekis Name!
Rakka:Ihr wahrer Name!

Rakka ist völlig aus dem Häuschen: Endlich weiß sie, was sie für Reki tun kann - und noch dazu kann sie etwas für ihre Freundin tun, wozu nicht einmal Washi in der Lage war (weil Reki dem ja nicht mehr zuhört - ihr vielleicht schon).


Am nächsten Morgen. Im Innenhof von Old Home sehen wir einen Schneemann mit Zigarette im Mund und Rekis Schal um den Hals - also: Reki. (Den werden wir später in Rekis Tagebuch noch einmal zu sehen bekommen.)

Rakka betritt das Gästezimmer von Old Home, wo Reki gerade Hikari (dem Bäckerlehrling) Nachhilfeunterricht gibt - und zwar ausgerechnet beim Backen:

Reki:Leicht und vorsichtig umrühren, damit der Schaum der Meringe nicht einfällt.

Dialogue: Marked=0,0:12:34.50,0:12:39.20,Note,,0000,0000,0000,,[Meringe ist ein Schaumgebäck, ein Baiser]

Hikari:So in etwa?
Reki:Ja, genau so.
Reki:Dann in eine Schüssel gießen.
Reki:Und im vorgeheizten Backofen bei 200° etwa 10 Minuten backen lassen.

Gemeint sind 200° Celsius - die englischen DVD-Untertitel verwenden 390° Fahrenheit.

Hikari:Okay.

Reki blickt nur kurz auf, als Rakka sie begrüßt:

Rakka:Guten Morgen.
Reki:Guten Morgen.

Dann wendet sie sich sofort wieder der gemeinsamen Arbeit zu:

Reki:Ja, das reicht.

Hikari ist froh und dankbar darüber, aktiv im Haushalt mitarbeiten zu dürfen:

Hikari:Reki, du bist mir eine große Hilfe.

Und wie immer spielt Reki ihre Leistung herunter - sie hilft Hikari angeblich nur aus Eigennutz:

Reki:Solange du die Küche blockierst, kann ich mit der Zubereitung des Festmahls nicht anfangen.

Reki braucht die Küche wirklich - sie muss nämlich noch ein Zitronen-Soufflé machen (siehe Episode 13).

Hikari:Das weiß ich doch.

Reki geht hinaus auf die Veranda; Rakka folgt ihr zögernd.

Reki:Das Fest zur Jahreswende...
Reki:Rakka, ich glaube, ich komme nicht mit in die Stadt.
Rakka:Reki?
Reki:Entschuldige, dass ich so egoistisch bin.
Reki:Aber gerade an diesem Tag möchte ich hier bleiben.

Die Jahreswende ist wirklich etwas Besonderes für Reki (wieder ein Jahr länger in Guri ohne Erlösung...) - und wir werden sehen, dass dies in diesem Jahr mehr als in jedem früheren Jahr der Fall ist.

Reki:Ich möchte die Erinnerungen an mein Leben hier in meine Seele einprägen.

Wir wissen, dass beim Wechsel zwischen den Welten Erinnerungen verloren gehen - Reki weiß das auch, und sie versucht, dagegen anzukämpfen, wenn sie den Weg in eine andere Existenz antreten muss. Denn trotz aller Schmerzen, die sie an diesem Ort erdulden musste: Vieles von dem, was sie hier erlebt hat (Kuramori, Nemu, Hyouko, Rakka,...), möchte sie niemals vergessen.

Reki hat seit gestern (als Rakka auf dem Spaziergang mit ihr "die Zeit anhalten" wollte) nichts mehr vor Rakka zu verbergen, was ihren Abschied von Guri angeht.

Rakka hat dem nichts mehr entgegenzusetzen. Alles, was sie tun kann, ist, Reki klar zu machen, was diese ihr bedeutet:

Rakka:Weißt du noch, wie ich zum ersten Mal hier stand und in die Ferne gesehen habe?

Dies ist eine Schlüsselszene - alle Haibane tun dies, bevor sie das Nest verlassen: Kuu in Episode 6, Reki jetzt, Nemu im Abspann von Episode 13, und sogar Hyouko, als Midori ihm den Kuchen auf den Halo stellt.

Reki:Ja.
Rakka:Damals war ich in eine fremde Welt gekommen.
Rakka:Und ich hatte ein wenig Angst davor.
Rakka:Aber jetzt fühle ich mich nirgendwo so sicher wie hier.
Rakka:Weil du immer für mich da bist, Reki.
Reki:Danke schön.
Reki:Selbst wenn du mich vergessen solltest, hoffe ich, dass du dich immer an dieses Zimmer erinnerst.

In diesem Zimmer haben sich wichtige Abschnitte von Rekis Lebens abgespielt: Ihre Zeit gemeinsam mit Kuramori und Nemu ebenso wie ihre Betreuung von Rakka (und vermutlich auch Kana und Kuu) in den ersten Tagen. Hier war Reki nie alleine (und musste sich also auch nicht ihren Dämonen stellen). Reki hängt an diesem Zimmer - und dennoch ist sie (auch Rakka zuliebe?) ausgezogen. Aber vor ihrem Abschied kehrt sie hierher zurück, um sich die Erlebnisse in diesem Zimmer noch einmal vor Augen zu halten. Und hier wird sie im Kreise ihrer Freunde ihr letztes Abendmahl einnehmen. In Episode 13 wird dann ein Gedenk-Essen in diesem Zimmer stattfinden, bei dem für Reki ein leeres Gedeck auf dem Tisch steht; im Epilog werden Rekis Bilder an der Wand des Zimmers hängen. Reki wird nicht so schnell vergessen werden, wie sie das zuvor in ihrem Selbstgespräch angenommen hatte - das Zimmer wird gefüllt sein mit Erinnerungen an sie.

Rakka:Ich werde dich nicht vergessen!
Rakka:Wie könnte ich dich jemals vergessen?

Der Schluss-Satz von Episode 13 wird auf dieses Thema noch einmal zurück kommen.

Rakka:Die Zeit, die ich mit dir verbracht habe, ist doch alles, woran ich mich erinnere.

Nachdenklich und schweigend stehen die beiden Freundinnen nebeneinander - gegen Ende von Episode 13 werden wir sie noch einmal so erleben.


Das Feuerwerk zum Fest der Jahreswende hat begonnen - und von einer Brücke aus sehen alle Bewohner von Old Home (bis auf Reki) dem Schauspiel zu, als sie sich (angeführt von Nemu) auf den Weg in die Stadt machen.

Rakka erlebt dieses Fest zum ersten Mal und wundert sich über die vielen Leute in den Straßen:

Rakka:Hier ist ja ganz schön viel los.

Im Vergleich dazu fühlt Kana sich schon als "alter Hase":

Kana:Sobald die erste Glocke läutet, wird alles ganz still werden.
Kana:Wenn das alte Jahr geht, haben wir zu schweigen.

Das scheint eine dieser Regeln von Guri zu sein; die Haibane würden bestimmt negativ auffallen, wenn sie diese allgemeine Stille nicht einhalten würden (so wie Kuu in Episode 2 am Stadttor negativ auffiel). Und diese Regel ist zum eigenen Besten der Haibane: Sie sollen diese Stille auf sich wirken lassen - wir werden später sehen, wie "andächtig" alle Haibane versuchen werden, den Eindruck, welchen dieser Moment vermittelt, in sich aufzunehmen, um möglichst lange von den Gefühlen, welche die Mauer freigesetzt hat, zu zehren. Haibane Renmei hat einige Szenen, in denen Stille und Vergeistlichung in engem Zusammenhang stehen (diese Feier, die Andacht nach Kuus Abreise, jeder Aufenthalt im Tempel); darüberhinaus aber macht das Redeverbot den Haibane ihre Ohnmacht (im Vergleich zu den Mächten des Universums) bewusst und regt sie zur Demut an.

Rakka:Echt?
Hikari:Deshalb haben wir diese hier.
Hikari:Um unsere Gefühle auch ohne Worte auszudrücken.
Kana:Dann ändert sich der Klang der Glocken, und am Ende... ups.

Kana bemerkt, dass sie sich beinahe verplappert und Rakka die Überraschung ihrer ersten Jahreswende-Feier verdorben hätte. Also hält sie an dieser Stelle lieber den Mund.

Rakka hat das nicht bemerkt und fragt weiter:

Rakka:Und am Ende?

Aber Hikari kommt Kana zu Hilfe:

Hikari:Das wirst du schon sehen.
Hikari:Man kann das nicht mit Worten erklären.

Die Turmuhr der Stadt beginnt um 19:26 Uhr zu schlagen; Kana und Hikari bedeuten Rakka: "Pssst".

Und auch einer der kleinen Haibane hält einem anderen, der offenbar "sugoi" ("toll") rufen will, den Mund zu (ein wundervolles Detail hier).

An den Eingängen vieler Häuser hängen gebogene Zweige mit daran befestigten Glockennüssen.

Am Eingang der Stadtwohnung der Hausmutter von Old Home hängen zwei grüne Glockennüssen ("Glückwunsch"). Als diese die Türe öffnet, strecken ihr zahlreiche Arme der Haibane rote Glockennüsse ("Danke für die Fürsorge") entgegen - und sie sieht doch ein wenig überrascht aus (ihr Speiseplan war ja nicht immer auf ungeteilte Zustimmung gestoßen).

Am Fenster der Wohnung von Sumika, die ihren neugeborenen Sohn auf dem Arm hält, gibt Nemu ihrer Chefin ebenfalls eine rote Glockennuss.

Der Bäcker und seine Frau (?) erhalten rote Glockennüsse von Hikari. Der Assistent des Bäckers steht irgendwie ratlos im Raum...

Rakka gibt dem netten Altkleiderhändler eine rote Glockennuss - zum Dank für die Stiefel, die er ihr beschafft hatte.

Zahlreiche Glockennüsse in allen Farben hängen an Zweigen im Restaurant Kartie, wo Rakka dem Inhaber eine rote Glockennuss gibt - immerhin hatte er sich in ihrer schlimmsten Zeit um sie gekümmert und ihr eine kostenlose Erbsensuppe spendiert.

Im Glockenturm sitzt Oyakata, vertieft in seine Arbeit; er ahnt nicht, dass Kana gerade eine rote Glockennuss an seinem Rücken befestigt hat und grinsend davon schleicht.

Die Turmuhr zeigt 22:00 Uhr an; Schnee fällt auf die Stadt - der weiße Schleier der Vergebung, genau wie bei Rakkas Brunnen-Abenteuer. Reki hat das Festessen für Old Home fertig auf dem Tisch stehen; sie selbst steht auf der Veranda und blickt zurück auf ihr Leben...


Rakka steht vor dem Eingang zum Fabrik-Gelände. Scheppernd fällt das Brett um, als Midori und Dai den üblichen Eingang durch das Loch im Metallzaun nehmen.

Midori:Also ehrlich, du gibst auch keine Ruhe, wie?

Das ist es, was Rakka hier tut: Sie will sicher gehen, dass Hyouko sein Versprechen einlöst.

Der kleine Dai kommt auf sie zu, und er bringt etwas mit:

Dai:Rakka!
Dai:Schau mal, ein Kuchen!
Rakka:Ich weiß ja, dass ich euch auf die Nerven gehe, aber...

Rakka hat immer noch Angst, anzuecken - aber für ihre Reki ist sie durchaus bereit, auch Ärger auf sich zu nehmen.

Midori:Ist schon in Ordnung.
Midori:Dank dir möchten wir uns wieder mit Reki versöhnen.

Rakka hat diesen Impuls bei Midori und Hyouko ausgelöst - sie ist der Katalysator. Die Aktion selbst muss von Hyouko kommen - und das wird sie auch.

Rakka:Was? Aber...
Midori:Wir machen das auf unsere eigene Art.
Midori:Anders als ihr feinen Damen.

Lustigerweise kommt Dai an dieser Stelle Rakka zu Hilfe:

Dai:Midori, du hast halt nicht deren gute Manieren.

Dai hat ein helles Köpfchen, nicht nur eine große Klappe. Er geht mit offenen Augen durch die Welt, hat Rekis Veränderung und Rakkas seltsames Verhalten am Fluss bemerkt und besaß zuletzt reichlich Gelegenheit, das Verhalten der beiden Haibane-Gruppen miteinander zu vergleichen.

Spielerisch tritt Midori nach dem Jungen, der jedoch mühelos ausweichen kann. Tja, das sind die rauhen Sitten bei den Fabrikbewohnern... Midori wird plötzlich bewusst, dass Rakka ihr zusieht und dass sie gerade Dais Vorwurf exakt bestätigt hat - wie peinlich! Sie räuspert sich verlegen:

Midori:Du wirst schon sehen...
Midori:Direkt vor der Jahreswende werden wir eine kleine Show veranstalten.

Es wird dabei also auf jede Minute ankommen, und der Zeitplan lässt sich nicht mehr ändern - beides wird gleich sehr wichtig werden.

Midori:Reki ist in der Stadt, stimmt's?
Rakka:Nein.
Rakka:Sie wollte heute im Old Home bleiben.

Midori ist völlig fassungslos - das kann Hyoukos gesamten Versöhnungsplan zunichte machen!

Midori:Was!? Wieso denn? Heute ist doch das Fest!
Midori:Oh je, die Glocke!
Midori:Es geht doch gleich los!
Rakka:Warte! Was hast du vor?
Midori:Das, worum du uns gebeten hast...

Midori rennt los; Rakka läuft ihr nach, so schnell ihre Füße sie tragen. Doch einmal mehr macht sie (zum ungünstigsten aller möglichen Zeitpunkte) ihrem (alten) Namen alle Ehre - und fliegt volle Kanne auf die Nase. Ein solches "Hindernis" kann Midori in der aktuellen Situation am wenigsten brauchen - und sie tut sich keinen Zwang an, dies auch deutlich zu machen:

Midori:Das kommt davon, dass du wie eine feine Dame läufst.
Midori:Kleine Pause gefällig?

Echt Midori - als ob das jetzt die Gelegenheit für eine Pause wäre...

Rakka will natürlich nicht schuld daran sein, dass die ganze Aktion im letzten Moment noch schief geht:

Rakka:Nicht nötig!
Rakka:Du tust das schließlich für mich.

"... also darf ich jetzt nicht darüber jammern, wenn es ein bisschen anstrengend wird." Das bisschen Anstrengung wird Rakka schon aushalten, auch wenn sie zugegebenermaßen nicht so recht im Training ist, was längere Laufstrecken angeht.


Midori:Wo ist Rekis Zimmer?

Rakka ist völlig außer Atem:

Rakka:Westflügel, zweiter Stock.
Midori:Das schaffen wir nicht mehr.
Midori:Reki! Reki!
Midori:Ich will mit dir reden! Komm ans Fenster!

Midori rennt auf den Hausgang zu - sie will es wenigstens versuchen, Reki noch vor dem Feuerwerk zu erreichen.

In diesem Moment hat Rakka einen ihrer genialen Einfälle: Sie hebt einen schweren Ziegelstein vom Boden auf, stößt einen markerschütternden Schrei aus...

Rakka:Reki!!

Midori bleibt verblüfft stehen:

Midori:Was...?

... hat die Kleine denn nun schon wieder vor?

Rakka schlägt den Ziegelstein mit aller Kraft gegen die Regenrinne, sodass der Schall überall dort zu hören sein muss, wo dieses Rohr in der Nähe vorbei läuft. Wo immer Reki sich gerade in Old Home aufhalten mag, sie wird diesen Lärm kaum ignorieren können.

Und tatsächlich öffnet Reki ein Fenster - Midori atmet auf:

Midori:Alle Achtung...

Midori hat gerade Rakka in voller Aktion erlebt - damit hat sich "die Kleine" zweifellos ihren Respekt verdient, denn sie hat "den Tag gerettet". Rakka fällt völlig erschöpft in den Schnee - aber sie hat ihr Ziel erreicht.

Reki:Rakka?
Reki:Midori! Was ist denn...?
Midori:Erklären wir dir später.
Midori:Schau rüber zur verlassenen Fabrik!

Das tut Reki. Die Turmuhr zeigt 23:55 Uhr - und sie sieht ein wundervolles Feuerwerk aus gelben Raketen.

Midori:Das ist unsere Antwort. Von Hyouko und mir.
Midori:Das will Hyouko dir sagen.

Rakka versteht immer noch nicht alle Details:

Rakka:Gelb? Was bedeutet gelb?

Aber Reki ist nicht gewillt, die in diesem Falle äußerst persönliche Frage in allen Details zu beantworten:

Reki:Es bedeutet "Ich bin ein Trottel"...

Gelb (als Farbe einer Glockennuss) bedeutet "Ich liebe dich". Aber natürlich kann Reki das in diesem Moment Rakka nicht sagen, und auch Midori behält diese Bedeutung für sich. Und es kann gut sein, dass Reki insgeheim meint: "Hyouko, du musst ein Idiot sein, wenn du jemanden wie mich liebst...".

Reki:Oh Mann...

Reki ist völlig von den Socken - damit hat sie "im Leben nicht" gerechnet.

Nachdenklich hält Midori derweil die weiße Glockennuss in ihrer Hand:

Midori:So, so - "Lebt wohl" und "Danke für alles"...

Tja, Reki hat es nicht geschafft, sich vor dieser Antwort "zu drücken" und einfach so aus Guri zu verschwinden, ohne zu erfahren, wie ihre alten Freunde über sie denken. Midori lächelt - und nun sinkt auch sie erschöpft zu Boden. Endlich kann sie ihre "harte Tour" ablegen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen (in Anwesenheit von Rakka, vor der nun nichts mehr zu verbergen hat).

Rakka zieht sich vorsichtig zurück, um Midori ihre Privatsphäre zu lassen. Als sie sich am Eingang von Old Home noch einmal umdreht, erhält sie die Belohnung für all ihre Anstrengungen: Midori und Reki umarmen einander.

In diesem Moment kehren die anderen Besucher von Old Home nach Hause zurück:

Kana:Ah, Rakka!
Hikari:Du bist aber früh wieder hier. Hast du dieses Feuerwerk gesehen?

Das Feuerwerk stand nicht auf dem Programm - das war ja eine nachträgliche Idee von Hyouko. Also muss auch Hikari davon überrascht worden sein.

Die beiden Freundinnen dort drinnen werden noch etwas Zeit brauchen, um sich ungestört auszusprechen - und diese Zeit muss Rakka ihnen verschaffen:

Rakka:Bitte bleibt noch ein bisschen draußen.
Kana:Hä?
Nemu:Warum denn?
Rakka:Vertraut mir einfach.

Und Rakka kann ihre Mitbewohnerinnen tatsächlich überzeugen (obwohl diese möglicherweise nur deshalb in das Gebäude gekommen sind, um Reki zu überzeugen, sich die leuchtende Mauer gemeinsam mit ihren anzusehen). Die Turmuhr von Old Home zeigt 00:10 Uhr... Feuerwerk plus anschließende Versöhnungsszene haben also eine gute Viertelstunde gedauert.


Die Bewohner von Old Home haben sich derweil außerhalb des Gebäudes einen schönen freien Aussichtsplatz gesucht.

Kana:Die Glocke läutet nicht mehr. Das Jahr ist zu Ende.

Das ist wichtig: Das Jahr endet in Guri nicht etwa um Mitternacht, wie wir uns das vorgestellt hätten. Denn dann wäre auch Midoris Ankündigung des Feuerwerks "direkt vor der Jahreswende" falsch gewesen. Das Jahr wechselt tatsächlich erst mit der Szene, die wir jetzt zu sehen bekommen:

Aber Rakka erinnert sich daran, dass da doch noch eine Frage offen war, die Kana und Hikari vorhin nicht beantworten wollten... nun hat sie endlich wieder die Zeit und Ruhe, ihrer Neugier freien Lauf zu lassen:

Rakka:Ach, richtig. Und was geschieht nun am Ende?
Hikari:Die Mauer lässt die Gedanken, die sie von allen während des letzten Jahres aufgefangen hat, in den Himmel aufsteigen.
Rakka:Die Gedanken?
Hikari:Hör genau hin...

Hikari schließt ihre Augen, ebenso Nemu und die Kleinen. Rakka versteht noch nicht, was gleich passieren wird; Kana blickt zu ihr hinüber und schließt demonstrativ ebenfalls die Augen, um sich ganz auf das Zuhören konzentrieren zu können. Und Rakka folgt ihrem Beispiel...

Erinnerungen steigen in Rakka auf - das Tropfen im Inneren der Mauer, und die Musik, welche sie dort gehört hat. Rakka öffnet ihre Augen - und sie sieht, dass die gesamte Mauer rund um Guri zu leuchten begonnen hat. Ergriffen richtet Rakka ihren Blick empor in den Himmel...